Rechter Terror in Neukölln – Chronik der Anschläge

!Seit gut einem Jahr greifen extreme Rechte vermehrt an.

Im Zentrum der Attacken stehen Neuköllnerinnen und Neuköllner, die sich gegen Rechts, für Geflüchtete und für Vielfalt engagieren. Das sind Menschen, die Zivilcourage zeigen und sich dafür einsetzen, dass unser Neukölln weiter ein Ort für alle ist.

Die Opfer werden gezielt ausgewählt. Das macht klar: Die Angriffe sollen einschüchtern. Wir sollen zum Schweigen gebracht werden, wir sollen Angst bekommen, uns für Offenheit und Vielfalt zu engagieren.

Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen!

Ganz im Gegenteil: Diese Angriffe machen es umso wichtiger, dass die demokratischen Kräfte in die Öffentlichkeit gehen und klar Farbe bekennen. Lasst uns gemeinsam ein klares Zeichen setzen: Neukölln ist offen, Neukölln ist vielfältig!

Deshalb organisieren wir gemeinsam mit vielen Initiativen, Vereinen, Kneipen und Cafés ein dreitägiges Festival, bei dem wir gemeinsam feiern, diskutieren und einander kennenlernen wollen.

Vom 14. bis 16. Juli in ganz Neukölln! Vom Landwehrkanal bis Rudow, vom Hermannplatz bis zur Hufeisensiedlung – überall sollen unsere Aktionstage sichtbar werden! Mehr dazu auf der Website des Festivals.

 

Chronologie der Angriffe

Seit dem 15. Mai 2016 wird Neukölln von einer rechtsextremen Anschlagsserie erschüttert. Das Bündnis Neukölln erklärt sich solidarisch mit allen Opfern.

Die Chronologie der Angriffe ist lang und erschütternd. Die folgende Auflistung basiert, wo nicht anders vermerkt, auf Dokumentationen des Registers Neukölln.

15. Mai 2016
Versuchte Brandstiftung auf einen linken, queeren Wagenplatz.

6. Juni 2016
Ein Fenster einer Privatwohnung wird eingeworfen. Auf dem Balkon hing eine rote Fahne.
Brandanschlag auf das Auto einer zivilgesellschaftlich engagierten Person in Rudow. (Quelle: MBR)

27. Juni 2016
Rechte Schmierereien an ein Wohnhaus in der Fontanestraße.
Das Fenster eines Wohnhauses wird eingeworfen. In dem Fenster im ersten Stock hing ein Banner mit dem Slogan „Kein Mensch ist illegal“.
Brandanschlag auf das Auto eines Neuköllner SPD-Bezirksverordneten, der sich in Rudow für Geflüchtete engagiert.

8. Juli 2016
Brandanschlag auf ein Auto in Nordneukölln, das mit linken und Anti-AfD-Stickern beklebt war.

11. August 2016
Auf der Facebook-Seite „Freie Kräfte Berlin Neukölln“ (FKBN) werden die Fotos von zwei Neuköllner Politiker*innen sowie die Adresse ihres Parteibüros veröffentlicht.

15. Oktober 2016
Brandanschlag auf das Auto der Geschäftsführerin des Anton-Schmaus-Hauses in Rudow.

12. Dezember 2016
Die Fenster einer Wohnung außerhalb des S-Bahn-Rings werden gleich zwei mal in Folge eingeworfen. Die Betroffenen hatten sich sichtbar nach außen gegen Nationalismus und Chauvinismus positioniert.
Weiterhin wird ein Fenster einer Privatwohnung von linken Aktivist*innen im Schillerkiez eingeworfen.
Auf dem Gelände der Evangelischen Kirchengemeinde Rudow wird ein großes Banner, das sich gegen Rechtsextremismus positioniert, zerstört.
In der gleichen Nacht werden die Fensterscheiben einer Buchhandlung in Rudow, die eine Veranstaltung zum Rechtsextremismus und zur AfD organisiert hatte, zerstört.
An einem linken Café-Kollektiv in Nordneukölln wird ein Brandsatz gelegt.

23. Dezember 2016
Fenster einer Privatwohnung eingeworfen. Der Anschlag gilt einem linken Aktivisten, der aufgrund seiner Beteiligung an den „Dresden Nazifrei“-Blockaden 2011 wiederholt vor Gericht stand.

27. Dezember 2016
An sechs Wohnhäuser innerhalb des S-Bahn-Rings werden Beleidigungen und die Namen von dort lebenden Privatpersonen, die in linken Zusammenhängen aktiv sind, geschmiert.

14. Januar 2017
Brandanschlag auf das Auto einer Neuköllner Bezirksverordneten in Britz. Die Betroffene ist seit vielen Jahren antifaschistisch organisiert und war auch in der Vergangenheit Ziel rechter Bedrohungen.

23. Januar 2017
Brandanschlag auf das Auto des Inhabers der bereits im Dezember angegriffenen Buchhandlung in Rudow, die sich der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“ angeschlossen hatte.
Brandanschlag auf das Auto eines antifaschistisch engagierten Gewerkschafters in Britz.

8. Februar 2017
Nazischmierereien an Fassaden und in Eingangsbereichen von sechs Wohnhäusern im Norden Neuköllns. An die Häuser werden Beleidigungen und die Namen von dort lebenden, in linken und antifaschistischen Kontexten aktiven Privatpersonen gesprüht.

9. Februar 2017
Brandanschlag auf das Auto einer Neuköllnerin, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert und in einer Galerie arbeitet, die in der Vergangenheit bereits Ziel rechter Attacken war.

3. Mai 2017
Brandanschlag auf das Auto einer Neuköllner Familie, die sich für Geflüchtete und gegen Rechtsextremismus engagiert.

 

Alle diese Anschläge treffen Menschen wie uns: Nachbarinnen und Nachbarn, die für ein offenes und vielfältiges Neukölln einstehen. Ein Neukölln, wie es wohl die meisten gern hätten.

Daher ist es umso wichtiger, dass wir uns nicht nur auf Facebook empören, sondern selbst aktiv werden. Lasst uns gemeinsam deutlich machen, dass wir die Mehrheit sind, und zeigen, wie Neukölln wirklich ist: Demokratisch, vielfältig und offen.

 

Weitere Hintergründe zu den beschrieben Vorfällen haben die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) und das Berliner Register zusammengestellt.